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Ohne internationale Fachkräfte geht es nicht

Elisa aus Kamerun arbeitet im Altenheim Herz-Jesu-Kloster. „Ohne die vielen Kolleg*innen aus anderen Ländern könnten wir den Schlüssel umdrehen und die meisten Pflegeeinrichtungen schließen“, sagt Sabine Rottländer. Sie leitet das Altenheim Herz-Jesu-Kloster (AHJK) im Bonner Ortsteil Ramersdorf. Wie in den meisten Pflegeeinrichtungen arbeitet auch hier eine große Zahl von Pflegekräften mit Migrationsgeschichte – aus Pakistan und Afghanistan, aus Serbien, Indien, der Türkei, Syrien, Polen, Russland, der Ukraine, Italien und mehreren Subsahara-Staaten. Sie prägen nicht nur die Pflege, sondern arbeiten auch im sozialen Dienst, in der Hausreinigung und in der Küche.
Altenpflege
Datum:
28. Jan. 2026
Von:
Verena Weiden

Zu den jungen Menschen, die hierhergekommen sind, um eine Pflegeausbildung zu machen, gehört auch Elisa Koum-Kiye. Elisa kam vor drei Jahren aus West-Kamerun nach Bonn. In ihrer Heimat ließ die damals 19-jährige ihre zweijährige Tochter und ihre Mutter zurück. „Meine Mutter ist Krankenschwester und ich wollte denselben Weg gehen“, erzählt sie. Doch in Kamerun seien die Hürden hoch, die Ausbildung sei teuer und die Bezahlung schlecht.

So entschied sich Elisa, den Schritt zu wagen und nach Deutschland zu gehen. Sie lernte schon in Kamerun Deutsch bis zur Stufe B2 – der übliche Standard für den Beginn einer Pflegeausbildung. An einem kalten Novemberabend 2022 kam die junge Frau am Bahnhof Siegburg an. Sabine Rottländer holte sie ab. „Ich erinnere mich genau, wie ich gewartet habe und Elisa schließlich mit zwei riesigen Koffern vor mir stand.“ In den darauffolgenden Wochen unterstützte Rottländer sie gemeinsam mit ihrer Tochter dabei, erste bürokratische Hürden zu meistern und den Alltag in Deutschland zu verstehen.

„Von dem Moment an, als ich Elisa vom Bahnhof abgeholt habe, fühlte ich mich verantwortlich.“ Für die jungen Menschen, die hier ankommen, sei nahezu alles neu, nicht nur Ämter und Behörden, sondern auch Alltagsdinge wie die Produkte im Supermarkt oder das Tarifsystem des ÖPNV.

Die Anfangszeit war hart für Elisa – ohne die Familie in Kamerun und Freunde gab es viele einsame Nächte. „Und ich war sehr schüchtern“, sagt sie rückblickend. Das merkt man der jungen Frau heute kaum noch an. Sie hat in Deutschland Fuß gefasst, einen Partner, eine beste Freundin – und Ende Oktober mit Bravour ihre Abschlussprüfung bestanden. Dazwischen liegen drei Jahre Ausbildung, die Elisa ganz überwiegend im AHJK absolvierte. „Hier gefällt es mir sehr gut“, sagt sie mit ihrem feinen französischen Akzent. „Alles passt. Die Ausbilder*innen sind freundlich und loben gute Arbeit. Und wenn mal etwas schiefgeht, bleiben sie immer fair und nett. Mit den Bewohner*innen komme ich gut zurecht, und das Kolleg*innenteam versteht sich gut untereinander.“ Und sie weiß: Sabine Rottländer hat immer ein offenes Ohr. „Für mich ist Elisa – wie viele der jungen Menschen, die zu uns gekommen sind – fast wie ein eigenes Kind.“

Alle im AHJK-Team hätten es gern gesehen, wenn Elisa nach der bestandenen Prüfung zur Pflegefachkraft direkt hätte weiterarbeiten können. Das wäre auch sehr im Sinne der jungen Frau gewesen.  Doch zunächst steht der Gang zur Behörde an. Erst mit der Abschlussurkunde kann sie eine „Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer qualifizierten Beschäftigung“ beantragen. In der entstehenden Übergangszeit darf sie nicht arbeiten. „Für alle Seiten unbefriedigend“, sagt Rottländer. Dem Altenheim fehle eine Pflegefachkraft, Elisa verdiene kein Geld und müsse für voraussichtlich einen Monat Sozialleistungen beantragen.

Fachkräfte wie Elisa Kiye sorgen dafür, dass in Deutschland Menschen ihren letzten Lebensabschnitt in Würde verbringen können. Doch Sabine Rottländer geht es um mehr: „Ein offener, freundlicher Umgang mit denen, die zu uns kommen, bereichert uns. Man gewinnt viel – und verliert nichts.“