„Wir arbeiten präventiv, helfen schnell und sind kostengünstig“

Carmen, rund 1.000 Beratungsfälle pro Jahr – warum ist die Arbeit der Beratungsstelle so nachgefragt?
Wir helfen schnell und unbürokratisch, sind dabei effektiv, kostenlos für die Klient*innen und kostengünstig für die Träger. Menschen, die unsere Angebote in Anspruch nehmen möchten, müssen weder einen Antrag stellen noch einen Bedürftigkeitsnachweis vorlegen. Einzige Voraussetzung: Sie müssen in Bonn oder im Rhein-Sieg-Kreis gemeldet sein. Anders als in einer psychotherapeutischen oder psychiatrischen Einrichtung braucht es auch keine vorhergehende Diagnostik, um bei uns ein Beratungsgespräch zu führen. Gleichzeitig arbeiten wir mit einem multiprofessionellen Team aus hoch qualifizierten psychologischen und pädagogischen Fachkräften, viele mit zusätzlichen therapeutischen Qualifikationen. Diese fachliche Breite erlaubt es uns, sehr unterschiedliche Anliegen kompetent aufzugreifen und zu begleiten.
Mit welchen Sorgen kommen Menschen zu Euch?
Ganz zentral ist die Beratung in Trennung- und Scheidungssituationen – hier ist die Nachfrage in den letzten Jahren enorm gestiegen. Sehr oft beschäftigen uns auch Ängste bei Kindern und Jugendlichen. Das reicht von Niedergeschlagenheit über Antriebslosigkeit bis hin zu depressiven Symptomen und Suizidgedanken, was wiederum zum Verlust sozialer Kontakte oder Schulverweigerung führen kann. Häufig suchen auch Eltern unseren Rat, weil sie verunsichert sind. Angesichts der Flut von Informationen, Ratgebern und unterschiedlichsten Aussagen fragen sie sich, ob ihre Erziehung „richtig“ ist und wie sie ihre Kinder gut begleiten können.
Die Beratungsstellen decken rund 40 Prozent aller Hilfen zur Erziehung ab – und der Bedarf wächst weiter. Woran liegt das?
Das hängt eng mit der Entwicklung im Gesundheits- und Sozialwesen zusammen. Es gibt einen chronischen Mangel an Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche. Das zeigen etwa die langen Wartelisten bei Psychotherapeuten. In dieser Situation leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung – auch wenn unser Handlungsspielraum durch unseren klar umrissenen Auftrag hier begrenzt ist.
Die Angebote sind für Klient*innen kostenlos. Dennoch entlastet Eure Arbeit das soziale System. Wie ist das zu erklären?
Indem wir präventiv arbeiten, beugen wir nicht nur psychischen und sozialen Problemen vor, sondern verhindern ebenso höhere Kosten im Sozial- und Gesundheitswesen. Ein Beispiel: Wenn wir frühzeitig unterstützen, weil ein Kind in der Schule Schwierigkeiten hat und ein Schulabbruch droht, können wir helfen, diesen zu verhindern. Ohne Schulabschluss sinken die Chancen auf Ausbildung und Arbeit erheblich – mit entsprechenden sozialen und finanziellen Folgen. Früh helfen zu können, vermeidet Kosten aber auch an anderer Stelle. Oft entfällt durch unsere Beratung und Begleitung die Notwendigkeit, aufwändigere und kostenintensivere Hilfe wie ambulante Familienhilfe oder stationäre Hilfen in Anspruch zu nehmen.
Ihr bietet auch interkulturelle Beratung an. Unterscheiden sich die Anliegen hier?
Es gibt durchaus Überschneidungen, doch Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrungen haben oft zusätzliche Fragen. Häufig geht es um das Spannungsfeld zwischen der Lebensweise oder den Traditionen im Herkunftsland und den gesellschaftlichen Erwartungen hierzulande: Wie wird Familie gelebt? Welche Rolle spielt Schule? Welche Unterstützungsangebote gibt es? Besonders wichtig ist uns, auch Formate anzubieten, die sich direkt an Jugendliche richten. Das gilt ausdrücklich für die interkulturelle Beratung. So führen wir beispielsweise Workshops für Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren durch, in denen es um familiäre Traditionen und die Erwartungen der Mädchen an die eigene Gestaltungsmöglichkeiten ihres Lebens geht. Möglich ist all das, weil Kolleg*innen im Team auch in anderen Sprachen beraten – etwa auf Arabisch, Englisch oder Spanisch.
Weitere Informationen, Kontaktdaten und Veranstaltungen der Erziehungsberatungstelle finden Sie hier: